Lycidas

Rezension: "Lycidas"
Rezensentin: A. Lehmann

Christoph Marzi: Lycidas


Zum Buch:
"Lycidas" ist der erste Band der "Die uralte Metropole"-Reihe von Christoph Marzi. Er erschien erstmals im Dezember 2004 mit einem Umfang von 864 Seiten für 14,00 Euro beim Heyne-Verlag. Im November 2011 brachte der Verlag eine Neuauflage mit anderem Cover für nur 9,99 Euro heraus. Die beiden Folgebände "Lilith" und "Lumen" sind ebenfalls in beiden Versionen erhältlich. Den vierten Band "Somnia" gibt es derzeit nur in der Auflage für 14 Euro. Obwohl er offiziell zu der Reihe um "Die uralte Metropole" zählt, spielt er in Amerika und nicht in London und erzählt im Wesentlichen von anderen Figuren, auch wenn der eine oder andere Bekannte aus den anderen Bänden auftaucht.

Zum Inhalt:
Die zwölfjährige Emily Laing lebt im Waisenhaus des grausamen Reverend Dombey in London. Die Kinder verleiht er des Öfteren als Arbeitskräftte oder schickt sie zum Betteln in die Stadt. Schnell schwingt er den Rohrstock, wenn eines der Kinder nicht gehorcht. So hat Emily damals eines ihrer Augen verloren. Dass jemand ausgerechnet sie adoptieren wird, ist ein Ding der Unmöglichkeit, das weiß Emily. Das Waisenhaus wird wohl weiter ihr Gefängnis bleiben.

Doch dann taucht eines Tages eine Ratte in der Waisenhausküche auf, die sich Emily als Lord Hirnonymus Brewster vorstellt. Emily bleibt kaum Zeit, an ihrem Verstand zu zweifeln, denn kurz darauf wird die kleine Mara von einem Werwolf aus dem Schlafsaal des Waisenhauses entführt. Emily macht sich auf die Suche nach dem Mädchen. Der Alchemist Wittgenstein, der Elf Maurice Mickelwhite und Lord Brewster stehen ihr dabei zur Seite, doch sind sie diesem Kampf gewachsen? Schon bald finden sie sich mitten im Herzen der Uralten Metropole, der geheimen Stadt unter Londons Straßen, wieder, die von allerlei sonderbaren Kreaturen bevölkert wird, doch nicht alle da von sind ihnen freundlich gesinnt. "Lycidas" unterscheidet sich deutlich von anderen Fantasy-Romanen. So kann ich beispielsweise nicht behaupten, dass der Roman überaus spannend wäre, was für mich eigentlich ein sehr wichtiger, wenn nicht der wichtigste Aspekt bei einem Roman ist. Dafür geschieht im Verhältnis einfach zu wenig auf den fast 900 Seiten, das tatsächlich Action aufkommen lässt.

Trotzdem kann ich den Roman nur jedem Fantasy-Liebhaber empfehlen, denn die Fülle von genialen Ideen, mit der man in diesem Roman überschüttet wird, ist schier unerschöpflich. Das reicht von den ungewöhnlichen, einfallsreichen und teilweise witzigen Figuren über die herrlichen Kulissen in und unter Londen über die faszinierenden Gespräche und Gedankengänge der Charaktere bis zu den eher nebensächlichen Anekdoten über Gott und die Welt, die der Autor immer wieder in die Handlung einstreut. Auch die Hintergrundgeschichte über Lycidas ist vollkommen logisch und durchdacht. In diesem Buch stimmt einfach alles.

Man kann es zwar nicht in einer Nacht herunterlesen und eigentlich auch nicht in zwei Nächten, aber es bietet einem so viel Stoff, dass man noch lange immer wieder darüber nachdenkt und das ist wiederum selten bei Büchern, die man in einem Stück verschlingt.

Fazit: "Lycidas" ist ein ganz besondere Werk der Urban Fantasy, dass mit einer solchen Fülle an Kreativität aufwartet, dass es ehrlich gesagt schwer ist, sich vorzustellen, dass der Autor nach zahlreiche weitere Bücher gleichen Umfangs geschrieben hat, die alle noch viel mehr gute Ideen beinhalten.




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